Friedrich Schneider (1786-1853)

Johann Christian Friedrich Schneider wurde am 3. Januar 1786 in Altwaltersdorf bei Zittau als erster der beiden Söhne des Schullehrers und Organisten Johann Gottlob Schneider (1753–1840) geboren. Bereits während seiner Zeit am Zittauer Gymnasium entfaltete er bemerkenswerte kompositorische Begabung. 1805 nahm er in Leipzig das Studium der „Humaniora“ auf und vertiefte seine musikalischen Kenntnisse bei August Eberhard Müller (1767–1817) und Johann Gottfried Schicht (1753–1823); auch Johann Friedrich Rochlitz (1769–1842), der Begründer der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung, förderte ihn. Binnen kurzer Zeit bekleidete er eine Vielzahl musikalischer Ämter und Funktionen – u.a. wurde er 1813 Organist an der Thomaskirche, wodurch er nach und nach zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Leipziger Musiklebens wurde. 

 

Obwohl er sich während seiner Leipziger Jahre unterschiedlichsten musikalischen Gattungen widmete, war er als Komponist vor 1820 noch wenig bekannt. Erst der unerwartete Erfolg seines zweiten Oratoriums Das Weltgericht, das am 6. März 1820 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wurde, brachte den Durchbruch. Der Siegeszug des Werkes brachte Schneider überregionale Bekanntheit und nachhaltige Anerkennung ein. Im darauffolgenden Jahr trat er die Nachfolge des verstorbenen Leopold Carl Reinicke (1774–1820) als Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister an und führte das Dessauer Musikleben zu neuer Blüte. Im Zuge der deutschen Konservatoriumsgründungen eröffnete er 1829 eine Musikschule, aus der, bis zu ihrer Schließung im Jahre 1844, mehr als 120 Absolventen hervorgingen. Während seiner Dessauer Zeit entstanden vor allem Oratorien und andere geistliche Werke sowie Kompositionen für Männerchor. Ab etwa 1830 komponierte er zunehmend weniger. Zu dieser Zeit gehörte Schneider jedoch bereits mehr als 25 musikalischen Vereinigungen an. Unter den zahllosen Ehrungen die ihm zeitlebens zuteil wurden, ragen besonders die beiden im Jahre 1830 verliehenen Ehrendoktorwürden der Universitäten Halle und Leipzig, sowie die Ehrenmitgliedschaften in der New York Philharmonic Society, der Königlichen Musikakademie zu Stockholm und der Königlich-Dänische Dannebrog-Orden heraus.

 

Seine Bedeutung und Anerkennung als Komponist hat Schneider im Wesentlichen dem gewaltigen Erfolg seines Weltgerichts zu verdanken. In der zeitgenössischen Presse wurde er sogar als „Händel unserer Zeit“ tituliert. Als Dirigent, Organisator und Komponist übte er maßgeblichen Einfluss auf die Musikfestentwicklung aus. So waren bereits die seit 1826 stattfindenden Elbmusikfeste untrennbar mit seinem Namen verbunden. 

Edition gedruckter und nachgelassener Werke

Friedrich Schneiders Werkverzeichnis enthält u.a. 16 Oratorien, 23 Sinfonien, 60 Klaviersonaten (zwei- und vierhändig, teils mit Begleitung), zahlreiche Kantaten und Motetten sowie etliche kammermusikalische Werke. Zu erwähnen sind auch die über 400 Lieder für (Männer-)Chor.

 

In enger Zusammenarbeit mit der Anhaltischen Landesbücherei Dessau (Wissenschaftliche Bibliothek und Sondersammlungen), die den Nachlass Schneiders verwahrt, werden Schneiders Werke gesichtet, aufgearbeitet und sein musikalisches Schaffen somit erstmals vollständig und in einheitlicher Textgestalt in einer Edition gedruckter und nachgelassener Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bisher unveröffentlichte Werke erscheinen im Erstdruck. 

 

Bisher erschienen sind:

 

Oratorien

  • Das Weltgericht op. 46
  • Gethsemane und Golgatha op. 96

 

Kammermusik

  • Klavierquartett c-Moll op. 36
  • Streichquartett g-Moll op. 90
  • Sonate in F-Dur für Violoncello und Klavier

 

Klaviersonaten

  • Grande Sonate e-Moll "Pathétique" op. 14
  • Grande Sonate f-Moll op. 37