Felix Draeseke (1835-1913)

Felix Draeseke wurde am 7. Oktober 1835 in Coburg geboren. Obwohl er im Alter von fünf Jahren an einer Mittelohrentzündung erkrankte die sein Gehör nachhaltig schädigte, begeisterte sich der junge Draeseke sehr für die Musik, erlernte das Klavierspiel und schrieb als Achtjähriger sein erstes Klavierstück. 1850 nahm er Studien in Komposition bei dem Flötisten Caspar Kummer auf und entschied sich bald darauf, den Beruf eines Musikers zu ergreifen. Im April 1852 trat Draeseke in das Leipziger Konservatorium ein. Die folgenden drei Jahre studierte er Musiktheorie bei Benjamin Papperitz und Ernst Friedrich Richter, Klavier bei Louis Plaidy und Ignaz Moscheles, Komposition bei Julius Rietz sowie Musikgeschichte bei Franz Brendel.

 

1853, während eines Aufenthaltes in Berlin lernte Draeseke den Liszt-Schüler und Wagner-Anhänger Hans von Bülow kennen, später einer der großen Pianisten Dirigenten seiner Zeit, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband. Der Enthusiasmus für den progressiven Musikstil der Neudeutschen Schule Liszts und Wagners ließ Draesekes Interesse am Konservatorium Leipzig schnell erlahmen. Die meisten seiner Lehrer waren sehr konservativ ausgerichtet und standen den Idolen Draesekes skeptisch bis feindlich gegenüber. Oft kam es deshalb vor, dass er die Unterrichtsstunden gar nicht erst besuchte.

 

Die Symphonia tragica, seine dritte Sinfonie, wurde 1888 unter Ernst von Schuch in Dresden umjubelt uraufgeführt. Draeseke fand zwischen den Giganten Brahms und Bruckner stilistisch einen eigenen Weg. Noch in den 1920er Jahren galt die Tragica vielen als eine der bedeutendsten Symphonien überhaupt; führende Dirigenten wie Arthur Nikisch, Fritz Reiner, Hans Pfitzner oder auch Karl Böhm setzen sich für sie ein. Die Draeseke-Rezeption war großenteils eine Angelegenheit der Fachwissenschaft. Wenn auch der hohe Rang von Draesekes Musik nie ernsthaft angezweifelt wurde, erreichte der Komponist trotz zahlreicher Erfolge zu Lebzeiten nie wirkliche Beliebtheit. Vielen erschien sein Stil, dessen Hauptaugenmerk auf einer stark kontrapunktisch verdichteten Verarbeitung des thematischen Materials liegt, als zu kompliziert und wenig eingängig. In dieser Hinsicht ähnelt er seinen jüngeren Zeitgenossen Max Reger und Hans Pfitzner sehr, die man als seine musikalischen Nachfolger bezeichnen kann und deren Werke ebenfalls bei Fachleuten mehr Anklang als beim Publikum fanden.

 

Bezeichnend für das Verhältnis des Publikums zu Draeseke ist eine Prognose Hans von Bülows, die er seinem Freund 1889 stellte:

 

„Werke wie die Deinigen können im Laufe der Dinge nur analegomena figuriren. Vulgus will ergötzt, sagen wir erquickt sein und solche „niedere" Tendenz ist Dir allzubekanntlich wildfremd. Man wird Deiner Musik – von Sachverständiger Seite – stets den gebührenden Respekt entgegenbringen, aber auf besondere Sympathie darfst Du nirgends rechnen."

 

Nach Draesekes Tod hatte man zwar begonnen, seine Werke pietätvoll zu pflegen, doch machte der 1914 einsetzende Erste Weltkrieg dem schnell ein Ende. Die Zahl der Interpreten, die sich für seine Musik einsetzten, nahm ab. Der 1922 verstorbene Arthur Nikisch war einer der letzten Dirigenten, die Draesekes Symphonien im ständigen Repertoire führten. Schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts galt Draeseke somit als ein größtenteils vergessener Komponist einer vergangenen Epoche.

Edition ausgewählter Werke

Bereits erschienen:

 

  • Requiem in h-Moll op. 22 für Soli, Chor und Orchester (erschienen 2013)

 

In Vorbereitung:

 

  • Adventlied op. 30 für Soli, Chor und Orchester (erscheint 2014)
  • Quintett für Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier op. 48 (erscheint 2014)